Minimalistisch wohnen: So bekommen Räume Persönlichkeit

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Du möchtest minimalistisch wohnen, aber dennoch einen Raum, der deine Persönlichkeit widerspiegelt? Kein Problem: Ich zeige dir, warum Lieblingsstücke der Schlüssel für deinen Wohlfühlraum sind.

Du kennst das sicher auch: Manchmal fühlt man sich in fremden Wohnungen sofort wie zuhause. Das hat ganz sicher auch mit einem ähnlichen Einrichtungsgeschmack zu tun – aber nicht nur.

Schon durch meinen Job habe ich unzählig viele und ganz unterschiedlich eingerichtete Räume gesehen: große, kleine, opulente, minimalistische, farbige, schlichte, verspielte und geradlinige. Doch ganz unabhängig vom Geschmack oder Stil des Bewohners gibt es am Ende des Tages für mich nur zwei Arten von Räumen: persönliche und unpersönliche. Manchmal hat sogar ein weißer Raum mit minimalistischer Einrichtung mehr Persönlichkeit, als ein üppig dekorierter Raum.

Keine Zeit zu verlieren

Sicher hast Du es auch schon einmal erlebt, dass du beim Schlendern durch ein Möbelhaus einen aufgebauten und schön dekorierten Raum am liebsten genau so in deine Wohnung beamen möchtest. Doch dann würdest du schnell merken, dass diesem Raum deine ganz persönliche Note fehlt und er immer nach Möbelhaus aussehen würde.

Häufig möchten wir gleich nach dem Einzug unser neues Haus oder die neue Wohnung fertig eingerichtet haben. Dafür hetzen wir, schließlich haben wir keine Zeit zu verlieren, in ein oder maximal zwei Möbelhäuser, um dort einzukaufen. Die Räume werden so zwar schnell „fertig“ sein – aber dann nur in den seltensten Fällen eine persönliche Note bekommen. So kommt keine wirkliche Wohlfühlatmosphäre auf. Und das wäre doch schade, oder?

Das geht auch anders. Ich verrate dir jetzt mal ein paar echte Insider-Geheimnisse, mit denen du deinen neuen Lebensmittelpunkt minimalistisch einrichten – und dennoch eine ganz individuelle Persönlichkeit einhauchen kannst.

Ein Raum muss wachsen
Für mich ist ein Raum nie fertig, er darf sich im Laufe der Zeit verändern – schließlich verändere ich mich auch ständig und entwickle mich weiter. So sah meine Wohnung in den vergangenen Jahren immer mal wieder anders aus. Häufig ändere ich nur Details, manchmal war es ein kompletter Stilwechsel.

Räume spiegeln unser Inneres hervorragend wider. So weckt zum Beispiel der Sommer, wenn die Sonne scheint und dadurch die Stimmung heiter ist, häufig Lust auf buntere Farben. Das Leben ändert sich ständig, wir machen immer wieder neue Erfahrungen und sammeln neue Eindrücke. Das schlägt sich auch in unserem Lebensraum nieder.

Der erste Schritt für mehr Persönlichkeit der Räume ist es, nicht alles sofort fertig haben zu wollen. Auch mir fällt es manchmal schwer, das auszuhalten, denn ich mag keine offenen Baustellen. Doch die Geduld lohnt sich: Es braucht etwas Zeit, neue Räume auf sich wirken zu lassen, und Einzelstücke zu finden, die zu Dir passen und der Wohnung das gewisse Etwas verleihen.

Lass dir Geschichten erzählen
Auch Möbel haben eine Geschichte. So wie der alte Sessel deiner Oma, der in dir ein warmes Bauchgefühl erzeugt. Immer wenn du ihn anschaust, tauchen all die Bilder von früher auf, in denen deine Oma darin sitzt und strickt. Oder damals, als du dich mit deinem Wagen verfahren hast und zufällig den wunderschönen alten Tisch am Straßenrand entdeckt hast, der jetzt in deiner Küche steht. Diese Geschichten sind es, die Möbel mit Emotionen aufladen und so Einzelstücke zu ganz persönlichen Lieblingsstücken machen.

Manchmal trennen wir uns viel zu schnell von Erinnerungsstücken und ersetzen diese dann durch neue und unpersönliche Gegenstände – nur, weil diese gerade im Trend sind.

Mein Tipp: Halte einen Moment inne und schaue, ob der alte Sessel bei dir ein Gefühl auslöst. Tut er das nicht: weg damit. Doch falls ja, dann verpasse ihm doch einfach ein neues Kleid. Sicher, dazu gehört etwas Vorstellungskraft und es ist auch aufwändiger, als sich einfach schnell einen neuen Sessel zu kaufen. Aber wenn du dich für die Frischzellenkur entschieden hast, wirst du feststellen, wie sehr Du dich darüber jeden Tag freust.

All deine Farben
Hast du dir schon mal Gedanken über dein Gesamtfarbkonzept in deinen Räumen gemacht? Falls nicht, wird es höchste Zeit. Gehe mal in dich und überlege dir, mit welchen Farben du dich wohl fühlst. Wenn dir das schwerfällt, kannst du dir im Internet oder in Zeitschriften verschiedene Räume anschauen. Lege deinen Fokus dabei auf die Farben. Mit welchen Farben umgibst du dich gerne? Welche Farben würdest du auch anziehen? All das was dir gefällt, sammelst du in einem Ordner oder druckst es aus.

Um ein Gefühl für deine Lieblingsfarben zu bekommen, kannst du auch alle Ausdrucke auf eine Pappe kleben. Hänge diese an die Wand, wodurch du einen super Überblick bekommst und schnell erkennst, welche Farben immer wieder auftauchen.

Idealerweise zieht sich dein Farbkonzept hier und da durch alle Räume hindurch. Das schafft Verbindung und Ruhe. So kommt auch dein Lieblingsstück besser zur Geltung – gerade wenn du es farblich passend lackierst oder beziehst.

Aus der Reihe tanzen
Gehen wir nochmal zurück zu dem Raum ohne Persönlichkeit, direkt aus dem Möbelhaus. Wenn alles aus einem Guss kommt, wirkt ein Raum sehr schnell langweilig. Um dir deinen Wohlfühlraum zu kreieren, brauchst du Stilbrüche. Dazu eignen sich beispielsweise deine Lieblingsstücke ganz hervorragend.

Du kannst solche Brüche aber auch erschaffen, indem du altes und neues miteinander kombinierst. Ein optischer Bruch kann auch ein Möbelstück oder Accessoire sein, welches auf den ersten Blick farblich oder stilistisch nicht zu deiner Einrichtung passt. Oder du tanzt aus der Reihe und hängst zum Beispiel ein Bild abseits der Gruppe und viel zu hoch an die Wand. Auch ein außergewöhnliches Muster kann ein Bruch zwischen den schlichten Kissen auf dem Sofa sein.

Solche Brüche machen deinen Raum sehr viel spannender und geben ihm eine eigene Persönlichkeit. Die Möbelhausatmosphäre verschwindet und das Auge hat immer wieder etwas Neues zu entdecken.

Minimalistisch Wohnen

Aber was hat das Behalten von Erinnerungsstücken damit zu tun, minimalistischer zu leben?

Nimm jedes Teil bewusst in die Hand und fühle in dich hinein: Hast du es um dich herum, weil du es liebst, oder weil du dich nicht davon trennen kannst? Du wirst schnell feststellen, dass es gar nicht viele Teile sind, an denen wirklich dein Herz hängt. Und wenn du dich für einen Verbleib dieser Dinge entscheidest, dann stelle sie auch in Szene und gebe ihnen dadurch den Wert, den sie verdienen. Denn es spielt überhaupt keine Rolle, wie du Minimalismus für dich definierst und mit wie vielen Dingen du dich umgeben möchtest. Wie meine Definition von Minimalismus aussieht, kannst du hier nachlesen. Und solltest du noch nicht wissen, welcher Typ du bist und welche Bedürfnisse du an ein Zuhause hast, dann mache meinen Persönlichkeitstest “Welcher Typ bist du – und wie kann dein Zuhause dir Kraft spenden?”.

Um minimalistisch zu wohnen kommt es nicht darauf an, gar nichts mehr zu besitzen, sondern eine bewusste Auswahl zu treffen. So kommen kommen echte Lieblingsstücke besser zu Geltung. Und es ist wichtig für einen klaren Geist, denn: weniger ist mehr. Um deinem Raum auch mit wenigen Teilen eine Persönlichkeit zu geben, sind ein paar ausgesuchte Lieblingsstücke der Schlüssel dazu. Wichtig ist auch, die Dinge zu behalten an denen dein Herz hängt.

Ein Beispiel aus unserem Wohnzimmer:

Der Raum ist monochrom und minimalistisch eingerichtet. Das Gesamtfarbkonzept ist schwarz/weiß/grau. Ich mag die kühle Strenge, die von diesen Farben ausgeht gerade sehr gerne, denn es beruhigt meinen Geist. Als Bruch zur minimalistischen Einrichtung dient das Ensemble aus Lieblingsstücken. Der alte Kreissägentisch stand jahrelang im Keller. Er vegetierte einsam vor sich hin, bis ich ihn ohne Kreissäge nach oben holte. Zugegeben, mein Mann war anfangs nicht ganz so begeistert: “Dieses alte dreckige Ding soll in unser Wohnzimmer?”. Als er dann allerdings frei von Rost und Dreck im Zimmer stand, war auch er begeistert.

Diese Gruppe hat sich zum echten Lieblingsstück gemausert. Ein weiterer Bruch ist der Materialmix, der sie spannend macht. Wäre alles rostig und matt so wie der Tisch, sähe es schnell langweilig und nicht so modern aus. Aber durch die Kombination mit Glas, Chrom und Steinzeug entsteht Spannung. Das Bild hängt übrigens extra etwas abseits: es darf aus der Reihe tanzen und die Gruppe wirkt so für sich allein. Die gesamte Gruppe wird allerdings durch eine ähnliche Farbwahl zusammengehalten, denn so sieht sie – trotz unterschiedlicher Materialien – dennoch harmonisch aus.

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Achte mal auf die Materialien:

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Entdecke deine neue Persönlichkeit

Habe den Mut, verrückt zu sein und in deiner Wohnung ruhig mal neue Dinge auszuprobieren. Du wirst merken, dass es gar nicht so schwer ist, deine Lieblingsstücke zu inszenieren und dennoch minimalistisch zu leben. So verwandelt sich ein vermeintlich langweiliges Zimmer in deine eigene Wohlfühloase, in der du noch besser entspannen kannst und die dich jeden Tag aufs Neue erfreut.

Also los: Schaffe dir deinen Ort der Ruhe, an dem du deinem Geist jederzeit eine Auszeit gönnen kannst.

Verrätst du mir, welche Lieblingsstücke du hast? Woran erinnern sie dich?

Fotos: Stefanie Adam

 

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Minimalistisch wohnen, Stefanie Adam, www.feineseele.de

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5 comments

  1. Ich habe kürzlich innegehalten und festgestellt, dass außer Küche und Bett und Sofa alle Möbel “einteilig”/klein und damit ohne hilfe dritter veränderbar im raum…also einmannteile – und second hand sind und viele zusätzlich vintage. ich mag die unbekannten Geschichten, die sie in sich tragen. andererseits mussten viele dinge von menschen, die wertlos oder gar nicht gut für mich sind – damit meine ich sowohl die dinge als auch die menschen, aus dem haus. dinge reden mit mir. da kann dann ganz schnell ein ganzer schrank rausfliegen. ich habe in den mehr als 10 jahren, in denen das nun so geht, niemals etwas weggegebenes bereut. manchmal kann es jemand brauchen und freut sich, alles andere geht ins sozialkaufhaus.

    1. Hallo Monika, das klingt doch wunderbar. Wie schön, dass du über die Jahre hinweg gelernt hast, altes loszulassen. Das befreit den Kopf, aber das wirst du sicher selber spüren. Liebe Grüsse, Steffi

  2. Persönlichkeit entdecke ich durchaus in meinen Räumen. Doch nach dem lesen zum Thema „minimalistisched Wohnen“ ist mir aufgefallen, dass meine persönlichen Dinge durch viel Kram und unnützes Zeug versteckt wird. Es blitzt nur kurz durch. Aber steht nicht im Vordergrund. Überhaupt finde ich mein Zuhause viel zu überladen. Am liebsten wäre es mir, dass ein riesiger Container unten am Haus steht und ich Stück für Stück, Tag für Tag Möbelstücke, dekosachen und vieles Mehr einfach darein schmeißen kann!
    Wenn ich allein entscheiden könnte wäre es schon längst geschehen.
    Hmmh!

    1. Liebe Lilli, ja, natürlich muss man Kompromisse machen, wenn man nicht alleine wohnt. Vielleicht kannst du dir dennoch Ecken schaffen, die freier sind oder eine gemeinsame Ausmistaktion starten oder eine 30-Tage-Challenge: am ersten Tag fliegt eine Sache raus, am zweiten Tag 2, am dritten 3 und so weiter…. Oder du gruppierst zumindest die ganzen kleinen Dekodinge zusammen, z.B. nur in einem Regal. Versuche die Fensterbänke weitesgehend frei zu halten, so wirkt dein Raum gleich luftiger. Liebe Grüsse, Steffi

  3. Liebe Steffi!
    Danke für die Tipps!😀das mit den Fensterbänken is wirklich eine wahre Sache! Da hab ich auch immer viel rumstehen!
    Das macht echt was aus!
    Es haben sich auch Freunde von mir(3leute ), bereit erklärt mich beim ausmisten bzw. Beim wegschmeißen der Sachen zu unterstützen! Quasi ab auf den Anhänger und ab zum Sperrmüll-Hof.
    Ich soll Termin und Zeitpunkt bekannt geben und sie sind dabei!

    Liebe Grüße und danke für deine
    Inspirationen
    Lilli

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