Achtsamkeit: Die beste Investition deines Lebens

Achtsamkeit im Alltag // Stefanie Adam, www.feineseele.de

Einfach mal Nichtstun, fällt den meisten von uns sehr schwer. Doch es lohnt sich, Achtsamkeit im Alltag zu etablieren und die eigene Wahrnehmung zu schulen

Die Welt dreht sich immer schneller. Immer mehr Reize und Ablenkungen prasseln auf uns ein. Wir sind ständig in Bewegung und erlauben uns kaum noch ablenkungsfreie Auszeiten. Und auch unsere Wochenenden sind häufig mehrere Wochen im voraus durchgeplant.

Bedürfnisse erkennen

Bei all dem Durchgetaktet sein: Wo bleibt der Raum für Spontanität? Oder die eigenen Bedürfnisse? Weißt du wirklich heute schon, ob dir in zwei Wochen danach ist, zum Beispiel mit deiner Freundin im Café zu sitzen? Vielleicht ist dir an dem Tag eher danach, auf der Couch zu lümmeln und zu lesen.

Sich selbst genug sein

Doch anstatt wertvolle Zeit mit uns selbst zu verbringen, haben wir häufig ein schlechtes Gewissen, wenn wir einfach mal Nichts tun. Oft langweilen wir uns sogar oder fühlen uns einsam. Denn wir haben verlernt, uns selbst genug zu sein und betrachten das Alleinsein als vergeudete Zeit. Wir fühlen uns besser, wertvoller und gebrauchter, wenn wir mit anderen Menschen zusammen sind. Dagegen ist nichts einzuwenden, solange wir selbst nicht zu kurz kommen. Doch häufig sind wir in der Zwickmühle: Wir sehnen uns nach Ruhe, halten das Nichtstun aber nicht gut aus. “Darum solltest du öfter mal alleine sein” und “Warum die Stille dein Schlüssel zu dir ist“.

Sklaven unserer Smartphones

Und noch ein Punkt kommt hinzu: Wir sind immer erreichbar. Unser Geist kann nicht mehr abschalten. Mal ehrlich: Kannst du dein Handy gut ignorieren, wenn du eine Nachricht oder einen Anruf bekommst? Oder verspürst du den inneren Druck, auf diese Nachricht oder den Anruf sofort zu reagieren? Früher, als noch nicht jeder ein Smartphones besaß, reichte es völlig aus, wenn wir uns ein paar Stunden später meldeten.

Doch heute ist das anders: Die Menschen haben sich daran gewöhnt, immer erreichbar zu sein. Und sie funktionieren auf Autopilot und hinterfragen nur noch selten ihre täglichen Routinen. Das Resultat: Das Leben zieht an uns vorbei, ohne wirklich präsent erlebt zu werden.

Gehen wir zum Beispiel mit sechs Freunden essen, schaut einer von ihnen garantiert bis zum Dessert auf sein Telefon. Ich persönlich finde das unhöflich und verhalte mich selbst so, wie ich auch gerne von Anderen behandelt werden möchte. Dazu gehört: Hundertprozentige Aufmerksamkeit während eines Treffens. Wie steht es mit dir: Findest du es schöner mit oder ohne Telefon beim gemeinsamen Essen?

Achtsamkeit im Alltag

Solltest du dich gerade wiedererkennen: Lasse doch deine Telefon zukünftig öfter mal aus. Höre deinem Gegenüber stattdessen aufmerksam zu. Schaue ihm in die Augen. Achte auf seine Körpersprache. Versuche ihn zu verstehen und nimm dich selbst zurück. Sollte dir das schwerfallen, oder sollte derjenige dich schnell nerven: Stelle dir einfach vor, du würdest ihn heute zum letzten Mal sehen… Präsenz ist das schönste Geschenk, das du jemandem machen kannst.

Höher schneller weiter

Ich war lange Zeit Miss-Multitasking-Nummer-Eins. Zwölf Dinge gleichzeitig? Kein Problem, denn ich denke und rede sehr schnell. Mein Geist stand nie still und ich jonglierte immer mehrere Bälle in der Luft. Doch so wollte ich nicht weitermachen, denn es fing an mich zu stressen. Das Resultat: Ich kam nie zur Ruhe und fühlte mich wie das Duracell-Häschen auf Ecstasy.

Doch dann hatte ich einen Schlüsselmoment. Und auch meine Seele gab mir Zeichen, ein paar Gänge runter zu schalten.

Übung macht den Meister

Lange Zeit trug ich den Glaubenssatz mit mir herum “Ein Tag ist nur dann Produktiv, wenn ich auch etwas schaffe”. Ich erlaubte mir nicht, einfach mal nichts zu tun. Und mein Geist hatte Schwierigkeiten bei diesem Tempo hinterherzukommen und Eindrücke oder Gelerntes auch umzusetzen oder zu verarbeiten. Als ich das erkannte, wurde ich achtsamer mit mir selbst und tauschte immer häufiger Multitasking gegen Singletasking. Ich übe mich bis heute darin, nur eine Sache zurzeit zu tun – dafür aber mit hundertprozentiger Präsenz.

Dazu eine kleine Achtsamkeits-Geschichte aus dem Zen-Buddhismus:

Der Schüler fragt den Meister, was den Meister von ihm unterscheidet. Der Zen-Meister entgegnet ihm: „Wenn ich gehe, dann gehe ich. Wenn ich esse, dann esse ich. Wenn ich schlafe, dann schlafe ich.

Der Schüler erwidert: „Aber das mache ich doch auch.“

Der Zen-Meister antwortet: “Wenn du gehst, denkst du ans Essen und wenn du isst, dann denkst du ans Schlafen. Wenn du schlafen sollst, denkst du an alles Mögliche. Das unterscheidet uns.“

Die beste Investition

Geht es dir auch manchmal so, wie in dem Schüler in dieser Geschichte? Fällt es dir ebenfalls schwer, dich zu fokussieren? Ich erinnere mich noch sehr genau an meine ersten Versuche und daran, wie schwer es mir gefallen ist, meinen schnellen Geist zu fokussieren – er driftete ständig ab. Doch je häufiger ich mich selbst darin schulte, desto leichter fiel es mir. Und auch die Meditation half mir dabei, Beobachter meiner Gedanken zu werden. Mein Achtsamkeitstraining hatte noch einen weiteren Vorteil: Ich wurde auch innerlich gelassener, präsenter und mein Geist klarer.

Von Außen nach Innen

Das Tolle ist: Mit dem Bewusstsein erwacht auch die Wahrnehmung. Und plötzlich werden sie sichtbar: Die großen und kleinen Schönheiten dieser Welt. Ob in anderen Menschen oder in der Natur – sie verstecken sich überall. Doch du kannst sie nur dann sehen, wenn du präsent bist und nicht an ihnen vorbei hetzt.

Übe die Regungslosigkeit,
beschäftige dich mit Untätigkeit,
finde im Verzicht Genuss,
und du siehst das Große im Kleinen und
das Viele im Wenigen.
Lao-Tse

Von Innen nach Außen

Ein weiterer Vorteil: Was immer du in dein Bewusstsein nimmst, hat eine direkte Auswirkung auf dein Gefühl. Lenkst du deinen Fokus also auf diese schönen Dinge des Lebens, fühlst du dich auch automatisch besser. Grandios: Du kannst selber entscheiden, worauf du deinen Fokus lenkst.

Du siehst, es ist gar nicht so schwer, Achtsamkeit in dein Leben zu etablieren und deinen Fokus zu verändern. Für mich war es die beste Investition. Ein toller Nebeneffekt: Du hörst auf zu Jammern. Denn niemand kann etwas dafür, wenn du deinen Fokus auf die Negativen – anstatt auf die Positiven – Dinge oder Gedanken lenkst und dich dann im Umkehrschluss schlecht fühlst. Logisch, oder?

Hier gibt es weitere Inspirationen: “Große Dankbarkeit durch kleine Momente” und “DIY aus Müll: An die Wand statt in die Tonne” oder “Ruhe finden an stressigen Tagen: So klappt es auch bei dir“.

Jetzt geht es um deine Achtsamkeit im Alltag: Entdeckst du das Große im Kleinen und das Viele im Wenigen? Oder hetzt du häufig daran vorbei?

Foto: Stefanie Adam

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Achtsamkeit // Stefanie Adam, www.feineseele.de

 

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